Schützer hoffen auf Aufmerksamkeit für seltene Bären – Zuchtstation in Chengdu wird erweitert
CHENGDU, 1. August (AFP) – Nichts und niemand kann sich in China den Olympischen Spielen in Peking entziehen. Selbst die Pandabären bleiben nicht unberührt von dem bevorstehenden Großereignis: Jing Jing, wie eines der fünf Maskottchen der Spiele, wurde eine Bärin in der Panda-Zuchtstation in Chengdu im Südwesten des Landes getauft. “Sie wurde genau in dem Moment geboren, als die Maskottchen bekannt gegeben wurden”, begründet der Leiter der Station, Zhang Zhihe, die Namenswahl in Abstimmung mit dem Organisationskomitees der Spiele. Die Panda-Schützer hoffen, dass ein Teil der internationalen Aufmerksamkeit für Olympia auch für die bedrohten Pandas abfällt.
 

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Ein Schild an ihrem Käfig weist auf die Verbindung Jing Jings mit den Olympischen Spielen hin. Die Zuchtstation will das weltweite Interesse an dem Sportereignis dazu nutzen, auf die Lage des Großen Pandas aufmerksam zu machen. In Freiheit leben die Bären vor allem in den Bergen im Südwesten Chinas. Dort drohten sie in den 80er Jahren auszusterben. Seither wird auf mehreren Wegen versucht, die vom Aussterben bedrohten schwarz-weißen Bären zu retten: Es wurden Schutzgebiete in freier Wildbahn eingerichtet sowie Pandas gezüchtet, die später ausgewildert werden sollen. Eine solche Zuchtstation ist die in Chengdu. “Wir hoffen, dass durch die Olympischen Spiele mehr Menschen nach Chengdu kommen, um China und die Pandas verstehen zu lernen”, sagt Zhang.

Das Zentrum in Chengdu wurde 1987 gegründet und hat sich auch die Aufklärung der Besucher über die Lebenswelt der Pandas zum Ziel gesetzt. 2007 kamen 600.000 Menschen, um die 68 Pandas der Anlage zu sehen. 60 Prozent der Besucher reisten aus dem Ausland an. “Die Aufklärung ist wichtig, denn die Wissenschaft allein kann die bedrohten Arten nicht retten”, sagt die US-Bürgerin Sarah Bexell, die sich um das Bildungsprogramm der Zuchtstation kümmert. “Wir versuchen Bildungstourismus anzubieten. Die Menschen sollen verstehen, dass wir die Pandas immer noch verlieren können.”

Bambus in Hülle und Fülle, in den Käfigen und entlang der Wege, soll das natürliche Lebensumfeld der Pandas in Chengdu möglichst getreu wiedergeben. Bis Ende des Jahres soll das Gelände von 37 auf 107 Hektar erweitert werden. “Die gefangenen Pandas werden bessere Lebensbedingungen haben, und das Bildungs- und Schutzzentrum wird Weltniveau, die Forschungseinrichtungen werden verbessert”, verspricht Zhang.

Ein nagelneues Gebäude beherbergt eine Samenbank und ein Lager für Gewebeproben nicht nur von Pandas, sondern auch von anderen bedrohten Arten der Region, wie beispielsweise den Südchinesischen Tiger, den Katzenbären und den Goldaffen.

“Hätten wir ihn nicht unter Schutz gestellt, hätte der Große Panda sehr schnell verschwinden können”, sagt der Leiter der Zuchtstation Zhang. Die Zahl der wilden Pandas ist inzwischen wieder deutlich gestiegen – von etwa 1100 im Jahr 2000 auf rund 1600 heute. Sie leben auf einer Fläche von 23.000 Quadratkilometern in den Provinzen Sichuan, Gansu und Shaanxi. In Gefangenschaft gibt es weitere 250 Große Pandas. Einige von ihnen wurden als Leihgaben für rund eine Million Dollar pro Jahr (640.000 Euro) im Rahmen der so genannten “Panda-Diplomatie” an Zoos in der ganzen Welt verliehen.

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1.08.2008 06.37 – CHINA/OLYMPIA/TIERE/KORR – AFP-Nachrichten (DEU) – AFP
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